Rhabarberkuchen mit Pudding: Mein narrensicheres Rezept für Anfänger
Jedes Jahr im Mai, wenn die ersten roten Stangen auf dem Wochenmarkt auftauchen, kriege ich dieselbe Nachricht von Freunden: “Ich hab Rhabarber gekauft, und jetzt?” Ehrlich gesagt – mir ging es vor Jahren genauso. Rhabarber wirkt kompliziert, weil überall widersprüchliche Tipps kursieren: kochen oder nicht kochen, schälen oder nicht schälen, roh auf den Teig oder erst andünsten. Dabei ist die Kombination aus saftigem Rührteig, säuerlichem Rhabarber und cremigem Vanillepudding eines der dankbarsten Kuchen-Rezepte überhaupt, sobald man ein paar Grundregeln kennt.
Das Wichtigste vorab:
- Rhabarber wird roh auf den Teig gelegt, nicht vorgekocht
- Die dünne Außenhaut sollte abgezogen werden – sie kann bitter und faserig sein
- Der Pudding kommt erst nach dem Vorbacken auf den Kuchen, sonst läuft er durch
- Nach dem 24. Juni (Johannitag) ist traditionell Rhabarber-Erntesaison zu Ende
- Vollständiges Auskühlen ist der Trick gegen einen durchweichten Boden

Klassischer Rhabarberkuchen mit Vanillepudding
Ingredients
Method
- Rhabarber vorbereiten: 500 grams Rhabarber, geputzt und geschält waschen, die dünne Außenhaut mit einem Sparschäler abziehen und in 1,5 cm große Stücke schneiden. Beiseitestellen – roher Rhabarber kommt später direkt auf den Teig.
- Ofen vorheizen: Backofen auf 175°C Ober-/Unterhitze vorheizen. Eine Springform (26 cm) fetten und leicht mit Mehl bestäuben.
- Rührteig herstellen: 175 grams weiche Butter, 150 grams Zucker und 8 grams Vanillezucker mit dem Handrührgerät 3-4 Minuten hell-cremig aufschlagen. 3 große Eier nacheinander einrühren, jedes Ei etwa 30 Sekunden unterschlagen.
- Trockene Zutaten unterheben: 250 grams Weizenmehl (Type 405), 2 teaspoons Backpulver und 1 pinch Prise Salz mischen und in zwei Portionen unter die Buttermasse heben. Zum Schluss 3 tablespoons Milch unterrühren, bis der Teig glatt und geschmeidig ist.
- Teig einfüllen und Rhabarber verteilen: Teig glattstreichen und die Rhabarberstücke dicht an dicht auf die Oberfläche drücken. Nicht unterrühren – so bleibt der Boden schön saftig statt durchweicht.
- Vorbacken: Den Kuchen auf mittlerer Schiene vorbacken, bis die Oberfläche leicht anzieht.
- Pudding kochen: Während der Kuchen backt, 500 milliliters Milch für den Pudding und 40 grams Zucker für den Pudding aufkochen. 1 Päckchen Vanille-Puddingpulver (für 500 ml Milch) mit etwas kalter Milch glattrühren, in die kochende Milch einrühren und unter Rühren 1 minute
- aufkochen lassen, bis er andickt.
- Pudding aufgießen: Den noch warmen Pudding gleichmäßig über den vorgebackenen Kuchen gießen, dabei die Rhabarberstücke sichtbar lassen.
- Fertig backen: Kuchen zurück in den Ofen geben und weiterbacken, bis der Pudding gestockt und die Oberfläche leicht goldbraun ist. Stäbchenprobe im Teig machen, nicht im Pudding.
- Abkühlen und servieren: Kuchen vollständig in der Form auf einem Kuchengitter abkühlen lassen – erst dann schneiden, sonst läuft der Pudding aus. Mit 1 tablespoons Puderzucker zum Bestäuben bestäuben.
Notes
Warum Rhabarber und Pudding so gut zusammenpassen
Rhabarber ist von Natur aus ziemlich sauer – botanisch gesehen ist er sogar ein Gemüse, kein Obst. Genau diese Säure macht ihn interessant, aber pur auf einem süßen Rührteig kann es schnell zu viel werden. Der Vanillepudding gleicht das aus: Er bindet die Fruchtsäure, sorgt für Cremigkeit und verhindert gleichzeitig, dass der Kuchen austrocknet. Für mich ist das die perfekte Balance zwischen “frisch” und “gemütlich” – genau das, was einen guten deutschen Blechkuchen ausmacht.

Muss man Rhabarber vorher kochen? Die Antwort, die viele überrascht
Hier räume ich gleich mit dem größten Missverständnis auf: Nein, du musst Rhabarber für diesen Kuchen nicht vorkochen. Rohe Stücke, direkt auf den Teig gedrückt, garen im Ofen genau richtig mit – sie werden weich, behalten aber Biss und Form. Vorgekochter Rhabarber wird dagegen oft matschig und verliert Geschmack ans Kochwasser. Die einzige Ausnahme: Wenn du eine sehr dünne Tortenböden-Variante backst, kann kurzes Andünsten helfen, überschüssige Flüssigkeit loszuwerden.
Schälen oder nicht? Ein Blick auf die Fasern
Die Frage nach dem Schälen kommt fast genauso oft wie die nach dem Kochen. Junger, dünner Rhabarber aus dem Frühjahr braucht meist gar nicht geschält zu werden. Bei den dickeren, späteren Stangen ziehe ich mit einem Sparschäler aber immer die äußerste Faserschicht ab – nicht aus Prinzip, sondern weil sie beim Kauen unangenehm zäh sein kann. Ein einfacher Test: Wenn du mit dem Fingernagel eine Rille in die Stange ziehen kannst, ohne dass sich Fasern lösen, ist Schälen optional.
Warum viele Kuchen durchweichen – und wie du es vermeidest
Das ist die Frage, die mir aus der Backpraxis am häufigsten begegnet, und sie hat eine klare technische Antwort. Rhabarber gibt beim Backen viel Flüssigkeit ab. Landet diese direkt im rohen Teig, wird der Boden zwangsläufig matschig. Drei Dinge helfen wirklich:
- Den Kuchen vorbacken, bevor der Pudding aufgegossen wird – so hat der Boden schon eine stabile Struktur
- Den Pudding separat kochen statt roh mit dem Teig zu vermischen
- Den fertigen Kuchen vollständig auskühlen lassen, bevor er angeschnitten wird – frisch aus dem Ofen wirkt er innen noch feucht, obwohl er durchgebacken ist
Genau nach diesem Prinzip ist das folgende Rezept aufgebaut.

Das Rezept: Schritt für Schritt
Ich habe die Zubereitung bewusst in drei Phasen unterteilt – Teig, Vorbacken, Pudding –, damit du als Anfänger genau weißt, wann welcher Schritt drankommt. Die interaktive Karte oben zeigt dir jeden Schritt einzeln inklusive Timer; du kannst außerdem die Portionsgröße anpassen, falls du eine kleinere oder größere Form brauchst.
Ein Hinweis zur Backzeit: Die Gesamtzeit im Ofen liegt bei etwa 45–50 Minuten, aufgeteilt in Vorbacken (ca. 20 Minuten) und Fertigbacken nach dem Pudding-Guss (ca. 25 Minuten). Die Stäbchenprobe machst du im Teigrand, nicht im Pudding – der bleibt naturgemäß weich.
Serviervorschlag und Aufbewahrung
Frisch schmeckt der Kuchen am besten leicht angewärmt mit einem Klecks Schlagsahne. Im Kühlschrank hält er sich abgedeckt etwa drei Tage – durch den Pudding sollte er nicht ungekühlt stehen bleiben. Wer ihn einen Tag im Voraus backt, sollte ihn kurz vor dem Servieren aus dem Kühlschrank holen: So schneidet sich der Pudding sauberer und der Boden bleibt angenehm fest.

Häufig gestellte Fragen
Muss man Rhabarber für Rhabarberkuchen vorher kochen?
Nein. Rohe Rhabarberstücke werden direkt auf den Teig gelegt und garen beim Backen mit. Vorkochen macht sie matschig und lässt Geschmack verloren gehen.
Kann man Rhabarber roh auf den Kuchen legen?
Ja, das ist sogar die klassische und empfohlene Methode. Wichtig ist nur, die Stücke nicht unter den Teig zu mischen, sondern dicht auf der Oberfläche zu verteilen.
Wie verhindert man, dass der Rhabarberkuchen durchweicht?
Den Boden vor dem Pudding-Guss vorbacken, den Pudding separat kochen statt roh zuzugeben, und den Kuchen vor dem Anschneiden vollständig auskühlen lassen.
Wie lange muss Rhabarberkuchen backen?
Insgesamt etwa 45–50 Minuten bei 175°C: rund 20 Minuten vorbacken, dann nach dem Pudding-Guss weitere 20–25 Minuten, bis der Pudding gestockt und die Oberfläche leicht gebräunt ist.
Probier’s aus und lass mich wissen, wie dein Kuchen geworden ist – gerade beim ersten Versuch lohnt es sich, genau auf den Zustand des Bodens beim Anschneiden zu achten. Das ist der beste Lehrmeister für den nächsten Durchgang.
