Rhabarberkompott selber machen: Das einfache Rezept, das garantiert gelingt
Es gibt diesen einen Moment im April, den jeder Hobbykoch in Deutschland kennt: Man steht auf dem Wochenmarkt, sieht die ersten roten Rhabarberstangen des Jahres – und weiß sofort, was gekocht wird. Rhabarberkompott ist eines dieser Rezepte, die scheinbar jede Großmutter im Schlaf beherrscht hat. Und doch scheitern erstaunlich viele daran: Das Kompott wird matschig-braun statt herrlich rot, zu sauer, zu wässrig oder hält sich im Kühlschrank nicht mal drei Tage.
Dabei ist die Wahrheit simpel: Rhabarberkompott ist eines der unkompliziertesten Rezepte der Küche – wenn man ein paar Dinge weiß, die selten in Kurzrezepten stehen. Genau darum geht es in diesem Beitrag.
Rhabarber: mehr als nur eine Zutat
Bevor es an den Kochtopf geht, lohnt sich ein Blick auf die Zutat selbst. die roten Stangen ist botanisch gesehen ein Gemüse, wird aber in der Küche fast ausschließlich wie Obst behandelt – süß-sauer eingekocht, in Kuchen oder eben als Kompott. Seine kräftige Säure kommt von der Oxalsäure, die in höheren Mengen tatsächlich unverträglich sein kann. Das klingt zunächst beunruhigend, ist aber gut in den Griff zu bekommen: Durch das Kochen verringert sich der Oxalsäuregehalt deutlich, und wer die Stangen schält, entfernt einen weiteren Großteil davon, da sich die Säure vor allem in der Schale konzentriert.
Für Anfänger gilt deshalb eine einfache Faustregel: Rhabarber immer schälen und immer kochen, nie roh in großen Mengen essen. Ab Ende Juni, wenn die Erntesaison endet, steigt der Oxalsäuregehalt zudem an – ein Grund, warum in vielen Regionen traditionell nur bis zum 24. Juni, dem Johannistag, geerntet wird.
Das Grundrezept: Rhabarberkompott Schritt für Schritt
Hier kommt das Rezept, mit dem ich in der Küche nie danebenliege. Es ist bewusst einfach gehalten, damit auch komplette Einsteiger ein Ergebnis bekommen, das schmeckt wie selbstgemacht sein soll: fruchtig, nicht zu süß und mit einer angenehmen Konsistenz.
Zubereitung:
Rhabarber vorbereiten:
Die Enden abschneiden, die Stangen schälen und in 2 cm große Stücke schneiden. Das Schälen ist kein optionaler Schönheits-Schritt – es reduziert die Fasern und den Oxalsäuregehalt spürbar.
Zucker und Wasser aufkochen:
Wasser mit Zucker und Zitronensaft in einem Topf kurz aufkochen lassen, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. Wer möchte, gibt jetzt die aufgeschlitzte Vanilleschote dazu.
Rhabarber zugeben:
Die Rhabarberstücke in den Sud geben und bei mittlerer Hitze zugedeckt köcheln lassen.
Kochzeit beachten:
Für ein Kompott mit Biss reichen 3–4 Minuten. Wer es weicher und breiiger mag, lässt es 8–10 Minuten köcheln. Wichtig: Je länger die Kochzeit, desto mehr verblasst die rote Farbe – ein Kompromiss zwischen Optik und Konsistenz, den jeder für sich treffen darf.
Abschmecken und andicken:
Vom Herd nehmen, Vanilleschote entfernen und bei Bedarf mit der angerührten Speisestärke leicht andicken. Nochmals kurz aufkochen lassen, dann ist das Kompott fertig.
Abkühlen und servieren:
Das Kompott entweder warm zu Milchreis, Grießbrei oder Vanilleeis servieren – oder komplett auskühlen lassen und im Kühlschrank aufbewahren.
Der Trick für kräftig rote Farbe
Wer schon einmal enttäuscht auf ein bräunlich-graues Kompott geschaut hat, kennt das Problem. Die rote Farbe des Rhabarbers – die Anthocyane – ist hitzeempfindlich und reagiert außerdem auf den pH-Wert. Zwei einfache Kniffe helfen dagegen: Erstens die Kochzeit so kurz wie möglich halten, denn jede zusätzliche Minute auf dem Herd kostet Farbe. Zweitens ein Schuss Zitronensaft – die Säure stabilisiert die roten Farbstoffe zuverlässig. Wer besonders farbintensiven die roten Stangen verwendet (die dünneren, tiefroten Frühjahrsstangen statt der dickeren, grünlichen Spätsorten), hat zusätzlich einen Vorteil.
Haltbar machen: Kompott im Schraubglas einkochen
Ein großer Vorteil von Rhabarberkompott: Es lässt sich hervorragend vorkochen und haltbar machen – praktisch für alle, die die kurze Rhabarbersaison über den Sommer retten möchten. Dafür wird das fertige, noch heiße Kompott randvoll in saubere, ausgekochte Schraubgläser gefüllt und sofort fest verschlossen. Durch die Resthitze entsteht beim Abkühlen ein Vakuum, das die Gläser luftdicht verschließt – man erkennt es am leisen “Plopp” des einschnappenden Deckels.
So zubereitet und kühl, dunkel gelagert, hält sich das Kompott mehrere Monate. Einmal geöffnet, gehört es in den Kühlschrank und sollte innerhalb von etwa einer Woche aufgebraucht werden.

Rhabarberkompott selber machen (Einfaches Rezept)
Ingredients
Equipment
Notes
Das Wichtigste in Kürze
- Rhabarber enthält Oxalsäure – richtig zubereitet ist er trotzdem völlig unbedenklich
- Die Kochzeit entscheidet über Farbe und Konsistenz: kürzer kochen erhält mehr Rot und Biss
- Ein einfaches Grundrezept mit Zucker, Wasser und Zitrone reicht für ein Ergebnis wie vom Profi
- Richtig heiß abgefüllt, hält sich selbstgemachtes Kompott mehrere Wochen
- Kompott lässt sich in Schraubgläsern problemlos haltbar einkochen
Was passt zu Rhabarberkompott?
Die Säure des Rhabarbers macht das Kompott zu einem vielseitigen Begleiter. Klassisch wird es zu Milchreis, Grießbrei oder Vanillepudding gereicht, wo die Süße der Beilage die Säure ausgleicht. Genauso gut funktioniert es als Topping für Joghurt oder Porridge zum Frühstück, als Füllung für einen Streuselkuchen oder schlicht zu Vanilleeis an einem warmen Frühlingstag. Wer es raffinierter mag, kombiniert Rhabarberkompott mit Erdbeeren – die Erdbeersaison überschneidet sich meist mit dem Ende der Rhabarberzeit, und die Kombination gilt zurecht als Klassiker.
Häufig gestellte Fragen zu Rhabarberkompott
Wie lange muss Rhabarber wegen der Oxalsäure kochen?
Etwa 3 bis 10 Minuten reichen aus, damit der Oxalsäuregehalt spürbar sinkt und der Rhabarber gut verträglich wird. Für ein Kompott mit Biss genügen die kürzeren, für eine weichere Konsistenz die längeren Kochzeiten – roh sollte die roten Stangen dagegen nie in größeren Mengen gegessen werden.
Wie bleibt Rhabarberkompott schön rot?
Eine kurze Kochzeit und ein Schuss Zitronensaft sind der Schlüssel. Der Säuregehalt stabilisiert die roten Farbstoffe, während zu langes Kochen sie zunehmend ausbleichen lässt.
Wie lange hält sich selbstgemachtes Rhabarberkompott?
Im Kühlschrank ist offenes Kompott etwa 4–5 Tage haltbar. Heiß in sterilisierte Schraubgläser abgefüllt und luftdicht verschlossen, hält es sich ungeöffnet dagegen mehrere Monate an einem kühlen, dunklen Ort.
Kann man Rhabarber im Schraubglas einkochen?
Ja, das ist sogar die beste Methode, um die kurze Rhabarbersaison zu verlängern. Das heiße Kompott wird randvoll in ausgekochte Gläser gefüllt, sofort verschlossen und kühl gelagert – so entsteht durch die Resthitze ein natürliches Vakuum.
Die häufigsten Anfängerfehler – und wie Sie sie vermeiden
Auch wenn das Rezept simpel klingt, gibt es ein paar typische Stolpersteine, über die gerade Einsteiger stolpern. Der erste: zu viel Wasser. Rhabarber gibt beim Kochen selbst reichlich Flüssigkeit ab, da er zu über 90 Prozent aus Wasser besteht. Wer zu Beginn zu großzügig mit dem Sud ist, bekommt am Ende ein dünnflüssiges Kompott statt einer schönen, sämigen Konsistenz.
Der zweite klassische Fehler ist zu langes Kochen “auf Nummer sicher”. Viele befürchten, der Rhabarber sei noch nicht durch, und lassen ihn deshalb zehn Minuten oder länger köcheln. Das Ergebnis ist meist ein breiiges, blass gewordenes Kompott ohne jede Struktur. Rhabarber zerfällt tatsächlich sehr schnell – ein Blick in den Topf nach drei, vier Minuten reicht meist schon, um zu sehen, dass er weich genug ist.
Der dritte Punkt betrifft die Süße: Wer den Zucker komplett weglässt oder drastisch reduziert, wird von der Säure des Rhabarbers regelrecht überrascht. Es lohnt sich, während des Kochens einmal zu probieren und erst am Ende final abzuschmecken – die Süße lässt sich jederzeit nachjustieren, herausnehmen dagegen nicht mehr.
Und schließlich: Wer sein Kompott einkochen und länger lagern möchte, sollte auf wirklich saubere, am besten frisch ausgekochte Gläser achten. Restfeuchtigkeit oder Speisereste im Glas sind der häufigste Grund, warum eingekochtes Kompott vorzeitig verdirbt.
Fazit: Ein Klassiker, der jedem gelingt
Rhabarberkompott braucht keine besonderen Küchenkenntnisse – nur ein Verständnis dafür, was in den wenigen Minuten auf dem Herd wirklich passiert. Schälen, kurz köcheln, mit Zitrone abschmecken: Mehr braucht es nicht für ein Ergebnis, das an die besten Frühlingserinnerungen erinnert. Probieren Sie das Rezept doch dieses Wochenende aus, solange der Rhabarber auf dem Markt noch frisch und rot ist – und lassen Sie mich in den Kommentaren wissen, ob die Farbe bei Ihnen genauso kräftig geworden ist.
